IDC-Report: PC-Lieferungen sinken, Umsatz steigt durch Preiserhöhungen

Die Memory-Krise schlägt weiter in den Markt: Weniger PCs, aber kein schwindender Umsatz. Eine aktuelle IDC-Analyse zeigt, dass weltweite PC-Lieferungen im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent gefallen sind, während die Einnahmen dennoch steigen. Die Branche steckt mitten in einem Paradoxon: Geringere Stückzahlen, höhere Preise – und damit belastet durch anhaltende Knappheit.

Der Bericht fasst die Zahlen für das zweite Quartal zusammen: Der Absatz sinkt, doch die Umsätze schlagen weiter zu. Das wird als erster Rückgang nach neun Quartalen Wachstum beschrieben und hängt eng mit dem anhaltenden Speicher-Engpass zusammen. Diese Dynamik lässt die Branche skeptisch bleiben, ob sich der Trend bald umkehrt.

Auf Herstellerseite fallen die Veränderungen unterschiedlich aus: Lenovo rutscht von 17,0 auf 16,6 Millionen Geräte, HP von 14,3 auf 13,0 Millionen, Dell von 9,8 auf 9,3 Millionen – Asus bleibt nahezu stabil. Apple hebt sich deutlich ab: Von 6,1 auf 6,7 Millionen Geräte, was die Marktabdeckung von 8,5% auf 9,9% treibt. Solche Verschiebungen unterstreichen, wie stabilere Marken im Kontext der Kosteninflation profitieren können, während andere traditionell starke Produzenten Marktanteile einbüßen.

Wichtiger-than-ever-Teil der Gleichung ist die Preisentwicklung: Trotz rückläufiger Verkäufe gelingt es vielen Herstellern, durch Preissteigerungen die Bruttoeinnahmen zu stützen. Die zentrale Botschaft lautet, dass der Markt sich von der reinen Stückzahl löst und die Umsatzseite die Spielregeln diktiert, solange Angebot und Nachfrage in der Memory-Krise weiterhin stark gestört sind.

Für die Branche bedeutet das, dass Lieferketten-Management und langfristige Verträge für Speicher- und Speichereinheiten auch künftig entscheidend bleiben. Größere Player könnten mit gestärkten Einkaufs- und Verhandlungspositionen schwierige Bedingungen für kleinere Wettbewerber schaffen, die weniger Volumen akquirieren können.

Apple nutzt derweil die Situation auch strategisch: Der Marktanteil wächst mit dem Start des MacBook Neo, und während Preisstrukturen weitgehend im Marktmitte bleiben, positioniert sich Apple gegenüber anderen Kostendruck-Opfern besser. Das verdeutlicht, wie markenstarke Anbieter die Situation nutzen, um sich im Rahmen derMemory-Krise neu zu positionieren.

Es ist wichtig zu beachten, dass es sich um globale PC-Lieferungen handelt – nicht speziell um Gaming-PCs. Gaming-Hardware bleibt jedoch historisch widerstandsfähiger in Krisenzeiten, auch wenn die Gesamtsituation weiterhin angespannt bleibt. Experten erwarten, dass die Speicherpreise noch weiter schwanken, und Bernstein-Analysten schätzen, dass SK hynix seine Preise voraussichtlich erst Ende 2028 signifikant senken könnte – doch bis dahin dürften weitere Preisanpassungen folgen. Falls die Krise nur noch eineinhalb Jahre anhält, wäre das schon ein kleines Glück.


Quelle: Zum Originalartikel

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