Retro-Fundstück: Rhea Seehorn, Magic (1997) und der wohl charmanteste Tutorial-Zaubertrank der PC-Geschichte
Stell dir vor, du klickst dich durch eine brandneue Prestige-Serie – und plötzlich öffnet sich ein Wurmloch direkt ins Jahr 1997. Röhrenmonitor-Flimmern, MicroProse-Logo, und irgendwo dazwischen wartet ein Stück Popkultur, das so sehr nach „vergessenem Bonuslevel“ riecht, dass man fast automatisch F5 drückt.
Der Name am Ende dieser Zeitreise: Rhea Seehorn. Viele kennen sie als Kim Wexler aus Better Call Saul. Laut PC Gamer beginnt ihre öffentlich dokumentierte Screen-Historie aber noch früher – nämlich als „Tutorial Sorceress“ im Magic: The Gathering-PC-Spiel von 1997. Keine große Bühne, kein roter Teppich: eher „Zauberin erklärt dir die Regeln, während die 90er im Hintergrund laut atmen“.
Und ja: Das ist genau dieses Magic, das viele unter „Shandalar“ abgespeichert haben. Nicht einfach nur Karten klicken, sondern eine Singleplayer-Reise durch eine Fantasy-Welt, Duelle um Karten, Fortschritt über Siege – ein Konzept, das damals schon größer wirkte als so manches moderne Tutorial-Menü, das dich nach 30 Sekunden mit Tooltips erschlägt.
Überhaupt dieses Tutorial: PC Gamer beschreibt es als ausgedehnt – eher „lange Nacht im Zauberunterricht“ als „kurzer Onboarding-Snack“. Heute wäre das vermutlich ein optionaler Info-Screen. Damals war es eine Ansage: Setz dich hin, wir machen das jetzt ordentlich. Und genau dadurch hat es diesen besonderen Retro-Charme, den man nicht planen kann.
Natürlich bleibt so etwas nicht im Museum. Im Netz – vor allem auf YouTube – wird das Material wieder ausgegraben, kommentiert und liebevoll in die Gegenwart gezerrt. Wenn Seehorn inzwischen in einer neuen Serie wie Pluribus auftaucht, spielt das Internet sofort „Lore-Archäologie“: War die Tutorial-Zauberin vielleicht schon der Proto-Hive? War das alles ein sehr, sehr früher Teaser? Das ist Quatsch – aber herrlicher Quatsch.
Noch besser: Seehorn selbst soll später ziemlich trocken über die Produktion gesprochen haben. Low Budget, improvisierte Kostüm-Realität, sinngemäßer „Tape-und-Socken“-Vibe – und dann dieser unbezahlbare Moment, wenn man sein eigenes Gesicht auf einer Spielebox entdeckt und im Laden denkt: „Moment. Das bin ja ich.“ Wer in den 90ern irgendwas mit Medien gemacht hat, kennt diese Mischung aus Stolz und leichtem Cringe aus der eigenen DNA.
Und dann ist da dieser kleine Magic-Nerd-Gag, der hängen bleibt: Wenn eine Story Richtung Kollektivbewusstsein/„Hive Mind“ abdriftet – ist das nicht sowieso mono blue? Blau steht in Magic schließlich für Wissen, Kontrolle, Planbarkeit und dieses leicht überhebliche „Ich hab’s schon kommen sehen“. Als Metapher passt das verdächtig gut, und genau deshalb zündet es in Community-Diskussionen sofort.
Am Ende ist das Ganze mehr als ein Fun Fact. Es zeigt, wie moderne Popkultur rückwärts funktioniert: Ein neues Projekt erscheint – und plötzlich werden alte Rollen zu kleinen Artefakten, die Fans, Archiv-Nerds und Retro-Gamer wieder zusammensetzen. Nicht, weil es „wichtig“ ist. Sondern weil es Spaß macht, die eigene Mediengeschichte wie ein Deck zu bauen: Karte für Karte, Set für Set, und irgendwo blinkt plötzlich „Tutorial Sorceress“ in der Ecke.
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